Braunschweig hat bislang keinen öffentlich vorliegenden Hitzeaktionsplan; nach bisherigem Stand soll er erst im September vorgestellt werden. Der Sommer ist aber jetzt. Nach fast 38 Grad am vergangenen Wochenende, ausgefallenen Trinkwasserbrunnen und weiteren möglichen Hitzetagen fordert die Grüne Ratsfraktion Sofortmaßnahmen für den laufenden Sommer und hat für die Ratssitzung am 30. Juni eine Dringlichkeitsanfrage eingebracht.
Bisher verweist die Stadt vor allem auf eine Karte kühler Orte und Refill-Stationen. Das ist ein Anfang, aber keine ausreichende Antwort auf eine akute Hitzelage.
Leonore Köhler, Fraktionsvorsitzende der Grünen Ratsfraktion, erklärt:
„Der Sommer wartet nicht auf den Hitzeaktionsplan. Natürlich muss dieser Plan kommen, aber Braunschweig kann sich keinen Hitzeschutz auf Wiedervorlage im September leisten. Der Sommer ist jetzt und die nächste Hitzeperiode ist bereits angekündigt. Wenn fast 38 Grad gemessen werden, Trinkwasserbrunnen ausfallen und die Stadt vor allem auf kühle Orte und Refill-Stationen verweist, reicht das nicht. Eine Karte kühlt niemanden, verteilt kein Wasser und schützt keine besonders gefährdeten Menschen.
Hitze kostet Gesundheit, Lebensqualität und Geld. Wenn ältere Menschen den Weg zur Haltestelle meiden müssen, Kinder auf aufgeheizten Spielplätzen nicht mehr spielen können und Beschäftigte im Freien an ihre Grenzen kommen, ist das keine normale Sommerlage mehr. Gleichzeitig sehen wir Straßenschäden, belastetes Stadtgrün, sinkende Aufenthaltsqualität und eine Innenstadt, die bei extremer Hitze leer bleibt. Das ist ein Warnsignal. Akuter Hitzeschutz muss jetzt oberste Priorität haben – nicht erst, wenn der Sommer vorbei ist.“
Gordon Schnepel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen Ratsfraktion, ergänzt:
„Andere Städte zeigen, dass kurzfristiger Hitzeschutz möglich ist: Köln setzt Sprühnebel auf zentralen Plätzen ein, Dortmund arbeitet mit Hitzetelefon, Trinkwasserangeboten in Seniorenbüros und Refill-Strukturen, Dresden nutzt mobile Trinkwasserbrunnen mit Vernebelung, Leipzig mobile Trinkwasseranlagen und Kiel Wasserauffüllstationen, Planschbecken und Sprinkler bei Veranstaltungen. Braunschweig muss das Rad nicht neu erfinden, aber die Stadt muss jetzt ins Handeln kommen.“
Besonders kritisch sieht die Fraktion den Ausfall mehrerer Trinkwasserbrunnen während der Hitzewelle.
„Dass ausgerechnet während einer massiven Hitzewelle mehrere Trinkwasserbrunnen nicht laufen, ist nicht akzeptabel. Wenn zentrale Wasserangebote ausfallen, darf die Antwort nicht Warten sein. Dann braucht es sofort Ersatz: mobile Wasserstellen, zusätzliche Ausgabepunkte, klare Refill-Hinweise, Sprühnebel und temporäre Kühlorte dort, wo sich Menschen tatsächlich aufhalten“, so Schnepel.
Mit ihrer Dringlichkeitsanfrage will die Grüne Ratsfraktion wissen, welche Auswirkungen der Extremhitze in Braunschweig bekannt sind, welche Sofortmaßnahmen am Wochenende ergriffen wurden und wie die Stadt künftig mobile Wasserversorgung, Abkühlung und betriebssichere Trinkwasserbrunnen sicherstellen will.