Dringlichkeitsanfrage der GRÜNEN Ratsfraktion
Eingereicht zur Sitzung des Rates am 30. Juni 2026
Der Hitzeaktionsplan der Stadt Braunschweig soll nach bisherigem Stand erst im September
öffentlich vorgestellt werden. Aktuell verweist die Stadt vor allem auf Verhaltenstipps, eine
Karte kühler Orte und Refill-Stationen für Wasser. Bislang ist nicht erkennbar, dass die Stadt
über Hinweise, kühle Orte und Refill-Stationen hinaus sichtbar wirksame Sofortmaßnahmen
ergriffen hat – etwa mobile Wasserstellen, zusätzliche Kühlorte, Sprühnebel, direkte Hilfe
für besonders gefährdete Menschen oder Ersatzangebote bei ausgefallenen
Trinkwasserbrunnen. Für die weiteren drohenden Hitzelagen reicht das nicht aus, denn
der Sommer hat gerade erst begonnen. Der Deutsche Wetterdienst warnte bereits in den
vergangenen Tagen vor starker bis extremer Wärmebelastung, in Niedersachsen wurde
am Wochenende mit 40,2 Grad in Lüchow ein neuer Landes-Hitzerekord gemessen.
Auch Braunschweig war massiv betroffen: Für die DWD-Station Braunschweig wurde
am 27. Juni 2026 ein Höchstwert von 37,7 Grad ausgewiesen. Und die aktuelle Abkühlung
darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die nächste extreme Hitzelage bereits möglich ist:
Wettermodelle und Wetterexpert*innen sehen in etwas mehr als einer Woche die Gefahr
einer erneuten, möglicherweise noch stärkeren Hitzewelle. Gerade deshalb braucht
Braunschweig jetzt sofort wirksame Maßnahmen, nicht erst einen Hitzeaktionsplan im
September.
Hitze ist kein Komfortproblem, sondern eine akute Gefahrenlage. Sie gefährdet Gesundheit
und Leben – besonders von älteren Menschen, Kindern, wohnungslosen Menschen,
Menschen mit Vorerkrankungen und Beschäftigten im Freien.
Auch wirtschaftlich sind die Schäden enorm: Die Hitze- und Dürreschäden der
Sommer 2018 und 2019 beliefen sich laut einer Prognos-Studie im Auftrag des
Bundeswirtschaftsministeriums auf rund 35 Milliarden Euro, eine Untergrenze, da
gesundheitliche Folgekosten darin nicht enthalten sind. Eine aktuelle AOK/PIK-Auswertung
kommt zudem zu dem Ergebnis, dass schon eine dreitägige Hitzewelle bundesweit rund
32 Millionen Euro zusätzliche Lohnfortzahlungskosten durch hitzebedingte Krankmeldungen
verursachen kann. Hitze belastet damit nicht nur Gesundheit und Infrastruktur, sondern auch
Arbeitsabläufe, Einzelhandel, Gastronomie und das öffentliche Leben. Wenn die Innenstadt
an einem Samstag bei bestem Wetter auffällig leer bleibt, ist das auch ein wirtschaftliches
Warnsignal.
Mit einer Karte kühler Orte allein ist es deshalb nicht getan. Eine Karte kühlt niemanden,
versorgt niemanden mit Wasser und erreicht keine Menschen, die besonders gefährdet sind.
Ebenso wenig ist akzeptabel, dass ausgerechnet während einer massiven Hitzewelle
mehrere Trinkwasserbrunnen nicht laufen. Wenn zentrale Trinkwasserangebote ausfallen,
braucht es sofort Ersatz – mobile Wasserstellen, zusätzliche Ausgabepunkte, Refill-Hinweise, Sprühnebel, temporäre Kühlorte und aufsuchende Hilfe.
Andere Städte zeigen, dass kurzfristiger Hitzeschutz möglich ist: Köln setzt bei Hitzelagen
Sprühnebel auf zentralen Plätzen ein, Berlin hat Wasserwerfer zur Abkühlung stark
frequentierter Orte genutzt, Dortmund arbeitet mit Hitzetelefon, Trinkwasserangeboten
in Seniorenbüros und Refill-Strukturen, Dresden mit mobilen Trinkwasserbrunnen samt
Vernebelung, Leipzig mit mobilen Trinkwasseranlagen und Kiel mit Wasserauffüllstationen,
Planschbecken und Sprinklern bei Veranstaltungen.
Der Verweis auf einen Hitzeaktionsplan im September hilft den Menschen in der
aktuellen Hitzelage nicht. Wenn Temperaturen in Braunschweig fast 38 Grad erreichen,
Trinkwasserbrunnen ausfallen und die Innenstadt an einem Samstag leer bleibt, braucht es
sofortige, sichtbare und verlässliche Maßnahmen. Akuter Hitzeschutz darf nicht erst dann
kommen, wenn der Sommer vorbei ist.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Verwaltung zu den Auswirkungen der Extremhitze
des vergangenen Wochenendes im Stadtgebiet Braunschweig vor – insbesondere zu
hitzenbedingten Notfällen, Schäden an Stadtgrün und Verkehrswegen, Beeinträchtigung
des öffentlichen Lebens sowie möglichen Frequenzrückgängen im Innenstadthandel?
2. Welche akuten Sofortmaßnahmen hat die Verwaltung am vergangenen Wochenende
kurzfristig ergriffen, um den Schutz vulnerabler Gruppen zu gewährleisten und den Ausfall
zentraler Infrastrukturen zu kompensieren?
3. Durch welche strukturellen und operativen Maßnahmen wird die Verwaltung sicherstellen,
dass bei zukünftigen Extremhitzelagen eine flächendeckende Gesamtstrategie zur mobilen
Wasserversorgung und großflächigen Abkühlung (etwa durch mobile Wasserstellen,
temporäre Kühlinseln, zusätzliche Trinkwasserangebote oder Ersatzlösungen bei
ausgefallenen Trinkwasserbrunnen) im Stadtgebiet greift, während gleichzeitig die
Betriebssicherheit der städtischen Trinkwasserbrunnen garantiert wird?
Zur Dringlichkeit: Die Dringlichkeit ergibt sich aus der aktuellen Hitzelage und weiterer
erwarteter Hitzewellen über den Sommer. Das tatsächliche Ausmaß der für das
Wochenende prognostizierten Temperaturen war zum Zeitpunkt der Antragsfrist für die
Ratssitzung am 17.06.2026 noch nicht absehbar. Zudem wurde erst durch einen Artikel
der Braunschweiger Zeitung vom 28.06.2026 öffentlich bekannt, dass ein Großteil der
Trinkwasserbrunnen in Braunschweig außer Betrieb ist.
Stellungnahme der Verwaltung
Bedingt durch die Folgen des Klimawandels nimmt die Wahrscheinlichkeit von
Extremwetterereignissen zu. Der Schutz der menschlichen Gesundheit hat in akuten
Situationen höchste Priorität. Daher ist die Erstellung eines Hitzeaktionsplanes als Leitfaden unabdingbar. Es existieren bereits innerhalb der Stadt Braunschweig ein Bündel an guten Maßnahmen sowie zahlreiche Hitzeaktionspläne in anderen Gebietskörperschaften.
Grundlage für das gesamte Handeln ist das Niedersächsische Klimagesetz (NKlimaG),
jüngst geändert am 18. Nov. 2025. Dieses bietet erstmals einen Standard und gibt die
Umsetzung allen Kommunen vor. Dabei ist auch erstmals ein Controlling vorgesehen. Der Hitzeaktionsplan ist somit ein wichtiger Teil des gesamten Klimaanpassungsprozesses.
Mit Verfügung vom 18. Sept. 2025 wurde daher eine Projektgruppe (PG-HAP) zur Erstellung eines Hitzeaktionsplans für die Stadt Braunschweig eingesetzt. Ein Entwurf des
Hitzeaktionsplanes soll im 2. Halbjahr 2026 mit einer Beschlussvorlage den politischen
Gremien vorgelegt werden.
Dies vorausgeschickt nimmt die Verwaltung zur Dringlichkeitsanfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom 29.06.2026 (DS. 26-29198) wie folgt Stellung:
Zu 1.:
Rettungsdienst:
Über das gesamte Wochenende (Freitag bis Sonntag) gab es eine erhöhte Anzahl an
Notrufen zu medizinischen Notfällen, die zu einer starken Auslastung des Rettungsdienstes geführt haben. Wie immer gab es ein breites Spektrum an Notfällen (u.a. internistische Erkrankungen, Stürze etc.). Die Ursache für die zahlreichen Notfälle lässt sich ohne größeren Aufwand nicht ermitteln, da jedes einzelne Notfallprotokoll auf entsprechende Hinweise durchgesehen werden müsste. Ein kausaler Zusammenhang zwischen den erhöhten Einsatzzahlen und den hohen Temperaturen ist wahrscheinlich.
Städtisches Klinikum skbs:
Interdisziplinäres Notfallzentrum (INZ)
Im Vergleich zu normalen Wochenenden sind am vergangenen Wochenende deutlich mehr Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme des skbs angekommen als sonst. Vor allem handelte es sich um ältere Patientinnen und Patienten mit Dehydrierung, Kreislaufproblemen und Hyperthermie, besonders bedingt durch fehlende Klimaanlagen in Alten- und Pflegeheimen. Dazu kam eine ungewöhnliche Häufung von Verletzungen durch Stürze mit E-Scootern oder Fahrrädern.
First Level Support / Facilitymanagement
Auf Grund der extremen Hitze gelangten technische Anlagen teilweise an ihre physikalischen Belastungsgrenzen. Als Kompensationsmaßnahme ist die Rufbereitschaft personell am Wochenende verstärkt worden, um mögliche Ausfälle und Störungen zeitnah bearbeiten zu können. Aus den Erfahrungen werden für künftige Hitzeperioden weitere Verbesserungspotenziale abgeleitet. Eine Patientengefährdung bestand nicht. Bei extremer Hitze heizen sich insbesondere die Altbauten der Infrastruktur auf, was sich vor allem in Fachbereichen wie der Onkologie und Geriatrie bemerkbar machte. Aus diesem Grund wurde ein Maßnahmenkatalog für die Patientenversorgung entwickelt und die Frequenz der Rundgänge gesteigert, um die Situation engmaschiger zu überwachen. Die vorhandenen Verdunkelungsmaßnahmen werden konsequent genutzt. Zudem wurden vorrangig Zimmer auf der Nordseite belegt, um eine geringere Wärmebelastung zu gewährleisten. Im Neubau Ost besteht bereits eine Vollklimatisierung, wodurch dort bessere Bedingungen gewährleistet sind.
Krankenhausalarm- und Einsatzplanung (KAEP)
Das skbs verfügt über einen Krankenhausalarm- und Einsatzplan (KAEP) der bei
Sonderlagen aktiviert wird. Alle Maßnahmen des KAEP dienen dazu, die Patientenversorgung bei Störungen wie Überlastung der Behandlungskapazität oder bei
Einschränkungen der Funktionalität möglichst lange aufrechtzuerhalten. Der KAEP wird bei extremer Hitze in der Regel durch bestimmte Auslösefaktoren aktiviert, dazu gehören Hitzewarnung über den Wetterdienst (interne Vorwarnstufe) oder konkrete Entwicklungen/ Ereignisse (z.B. Störmeldungen von Anlagen) innerhalb des skbs. Weiterhin ist der Aufbau einer entsprechenden Führungsstruktur bei Sonderlagen mit der
Klinikumeinsatzleitung (KEL), dem medizinischen Einsatzleiter (MedEL) und operativen
Einsatzleitung für eine Krisensituation definiert. Die Alarmierung erfolgt über eine intern festgelegte Alarmierungskaskade.
Die Stabsstelle KAEP steht bei der Erstellung von Alarmplänen im engen Austausch mit der Berufsfeuerwehr Braunschweig, dem Rettungsdienst sowie dem Bevölkerungsschutz der Stadt Braunschweig. Angesichts der steigenden Häufigkeit von Hitzewellen wird die Bedeutung der Alarmpläne in Zukunft weiter zunehmen. Das skbs passt seine Strukturen kontinuierlich an, um auch unter extremen Bedingungen möglichst handlungsfähig zu bleiben.
Straßen:
Im gesamten Stadtgebiet sind bisher keine Schäden durch die hohen Temperaturen in den Asphaltdecken festgestellt worden. Allerdings können in zwei Tagen nicht alle Straßen, ca. 850 km, abgegangen werden, dies bedarf ca. 4-5 Wochen durch den städtischen Straßenbegang. Meldungen durch Bürger sind bisher diesbezüglich ebenfalls keine beim Fachbereich Tiefbau und Verkehr eingegangen.
Stadtbahn:
Die BSVG hat keine Hitze-Schäden an den Gleisen festgestellt.
Im Bereich der Hamburger Straße (Höhe Ludwigstraße) wurden Gleise prophylaktisch weiß eingefärbt, da dadurch die Erwärmung der Gleise (und damit verbunden die Ausdehnung dieser) reduziert wird. Die elektronischen Steuerungs-Komponenten einzelner Weichen sind hitzebedingt ausgefallen, weshalb hier phasenweise ein manuelles Stellen der Weichen durch das Fahrpersonal notwendig wurde. Im Bereich Gifhorner Straße (Höhe VW-Werk) ist Sonntagnacht (28.06.) ein Baum auf einen Oberleitungsmast gefallen, weshalb bis zur Reparatur am Montagnachmittag ein SEV zwischen Wenden und Stadion notwendig wurde. (Ob der Baum hitzebedingt oder aus anderen Gründen umgestürzt ist, kann derzeit noch nicht gesagt werden).
Stadtgrün:
Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Extremhitze des letzten Wochenendes auf das
Stadtgrün liegen nicht vor. Entsprechende Auswirkungen zeigen sich wie nach den
Hitzesommern 2018 und 2019 vielfach erst zeitverzögert in den darauffolgenden Jahren. Der gesamte Jungbaumbestand (1. bis 5. Standjahr) wird kontinuierlich von Mitarbeitenden des FB Stadtgrün sowie von externen Dienstleistern gewässert. Es handelt sich um ca. 3.000 Bäume. Im gesamten Stadtgebiet sind repräsentativ an rund 55 Baumstandorten Feuchtesensoren eingebaut worden. Die aktuellen Messergebnisse von fast allen Standorten zeigen weiterhin eine auskömmliche Versorgungslage, was das Wasserdargebot im Pflanzsubstrat angeht. Zudem werden vom Fachbereich Stadtgrün seit rund 10 Jahren sog. Klimabäume wie bspw. Amberbäume gepflanzt, die, wie die aktuelle Situation zeigt, den Herausforderungen des Klimawandels deutlich besser gewachsen sind und eine höhere Resilienz gegen Hitze- und Trockenstress aufweisen.
Die Grundwasserstände liegen aktuell im jahreszeitlich zu erwartenden Bereich. Eine direkte Auswirkung der Extremhitze auf die Grundwassersituation ist nicht zu erkennen. Die Entwicklung und die aktuelle Situation können in der Webanwendung „Grundwasserstände aktuell“ nachvollzogen werden. Aktuell liegen noch über die Hälfte der Pegel im normalen oder hohen Bereich.
Für die Innenstadt ist aktuell die ergänzende Pflanzung von bis zu 50 zusätzlichen Bäumen ab Herbst dieses Jahres vorgesehen.
Zu 2.:
Die Berufsfeuerwehr hat auf Grund der hohen Rettungsdienstauslastung am Freitag (einen Rettungswagen und einen Krankentransportwagen) und Sonntag (einen Rettungswagen) zusätzliche Rettungsmittel in Dienst genommen, um alle Notfälle bedienen zu können. Die kurzfristige Indienststellung erfolgte mit Personal von den Hilfeleistungslöschfahrzeugen der Berufsfeuerwehr.
In den vergangenen heißen Tagen hat der Betriebshandwerkliche Dienst (BHD)
verschiedene Anfragen und Maßnahmen im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen bearbeitet. Insbesondere wurden Ventilatoren beschafft, ausgeliefert und in den von Besucherinnen und Besuchern betroffenen Bereichen wie der städtischen Musikschule aufgestellt.
Zum Sonnen- und Hitzeschutz der vulnerablen Personengruppe kleinerer Kinder hat die
Verwaltung seit 2023 für über 600.000 € großformatige Sonnensegel in 40 städtischen Kitas installieren lassen.
Ergänzend ist anzumerken, dass für Braunschweig bereits eine Kühle-Orte-Karte (KOK)
existiert. Sie ist Outcome einer online Beteiligung von Bürger:innen als Expert:innen ihrer Stadt und wurde im Rahmen des COABS-Projekts 2025 initiiert. Das von 68.3 eingeworbene Beteiligungsprojekt Co-adapted Braunschweig (COABS;
Förderzeitraum 2022-25 in Kooperation von Stadt BS und der TU BS) hat sehr wesentliche strategische Grundlagen für die Aufstellung eines Klimaanpassungskonzepts erarbeitet. Eine Weiterentwicklung der KOK wird im Zuge der HAP-Maßnahmen
angestrebt. https://mitreden.braunschweig.de/dialog/24
Zu 3.:
Die Trinkbrunnen im Prinz-Albrecht-Park, auf dem Löwenwall sowie im Pocketpark
Kannengießerstraße sind in Betrieb. Gleiches gilt für die Sprühnebelanlage im Prinz-
Albrecht-Park.
Die städtischen Trinkbrunnen werden laufend vom städtischen Betriebshandwerklichen
Dienst betreut. Notwendige Reparaturen und Instandsetzungen werden zeitnah bearbeitet, damit die Brunnen möglichst durchgehend zur Verfügung stehen. Leider kommt es durch vermehrten Vandalismus immer wieder zu Ausfällen der Trinkbrunnen, sodass die hohen hygienischen Standards nicht eingehalten werden können. Für zukünftige Trinkbrunnen wird das robustere und Vandalismus hemmende System, wie
im Prinz-Albrecht-Park, verbaut werden.
Ergänzend zu den bestehenden 6 Trinkbrunnen wurden sechs weitere Standorte
beschlossen, so dass dann 12 Trinkbrunnen auf städtischem Gebiet betrieben werden. Der Betrieb von Springbrunnen (Zierbrunnen) kann das Mikroklima verbessern und für
Abkühlung sorgen.
Das Stadtmarketing hat auf der städtischen Internetseite zum Cityservice auf Refill
Braunschweig verlinkt. Hier sind aktuell 16 Betriebe und Initiativen gelistet, die kostenloses Befüllen von Trinkflaschen bieten. Es gibt also viele Alternativen zu den öffentlichen Trinkbrunnen. Es handelt sich gleichwohl um eine eigenständig arbeitende externe Initiative. Die Stadt Braunschweig verantwortet weder die Inhalte der Internetseite von Refill noch deren Aktualität.
Schon seit mehreren Jahren sind die Fontainenanlagen auf dem Platz der deutschen Einheit und auf dem Domplatz sehr beliebte Abkühlungsorte in der Innenstadt. Die unterschiedlich hohen Wasserfontainen erfreuen sich an heißen Tagen sehr großer Beliebtheit gerade bei kleinen Kindern. Vor dem Umbau war der Platz der deutschen Einheit ein Parkplatz. Heute ist er ein wertvolles Angebot zum Abkühlen gerade für Familien mit Kindern.
Mit der Errichtung von Pocket Parks wird zudem ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas geleistet. Neben der Entsiegelung und der Pflanzung neuer Bäume wurde beim ersten Braunschweiger Pocket Park an der Kannengießerstraße darauf geachtet, dass das anfallende Regenwasser vor Ort versickern kann und damit der Grundwasserneubildung und auch den Pflanzen zur Verfügung steht. Ein Fontänenfeld sorgt an warmen Tagen für Abkühlung und Erfrischung. Ein weiterer Pocket Park wird am Bäckerklinkt entstehen.
Am Hagenmarkt setzt die Stadt Braunschweig aktuell eine Planung um, deren Ziel ist es, eine kühle Klimaoase in der Innenstadt zu schaffen. So wird ein kompakter dicht bepflanzter grüner Rahmen den Heinrichsbrunnen umfassen und dort auch Sitzgelegenheiten im Schatten vorsehen. Insgesamt sind am Hagenmarkt fast 80 Baumpflanzungen unterschiedlicher Größe geplant.
Zudem ist auch ein weiterer innerstädtischer Trinkbrunnen im Kontext eines Spielbereichs für Kinder geplant.
Ziel der ursprünglichen Planung war es, vier Standorte für sogenannte Wassernebelduschen am Hagenmarkt vorzusehen. Die unterirdischen technischen Voraussetzungen für die Umsetzung dieser Wassernebelduschen sind im Kontext der neuen Brunnenkammer bereits geschaffen worden. Derzeit wird intensiv im Austausch mit anderen Städten die konkrete oberirdische Installation (Bodendüsen oder Stelen) und vor allem der dauerhafte Betrieb dieser Wassernebelduschen geprüft. Wenn die technischen und hygienischen Rahmenbedingungen ausreichend geklärt sind, könnten am Hagenmarkt erstmals in der Innenstadt solche Anlagen in den Betrieb gehen.
Die Verwaltung beschäftigt sich bereits intensiv mit stadtweiten Risikoanalysen und
Priorisierung besonders betroffener Stadträume auch im Zusammenhang mit Überhitzung und liefert wichtige Planungsgrundlagen für eine klimaangepasste Stadtentwicklung z.B. Hinweiskarten für Klimagefahren (Starkregen => Starkregengefahrenkarten, Hitze => Stadtklimaanalyse).
In einem Klimarisikoreport in Anlehnung an ISO 14091 wurden im Rahmen des Projekts COABS von multidisziplinären Fachexpert:innen u.a. die Herausforderungen für das Handlungsfeld „Mensch und Gesundheit“ zusammengefasst und werden verwaltungsintern entsprechend in der PG HAP weiterverfolgt.
Mit dem geplanten Hitzeaktionsplan sollen Maßnahmen gebündelt werden, die darauf
abzielen, die negative Auswirkungen von Hitzeperioden auf die Gesundheit zu verhindern oder zumindest abzumildern. Sie verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen in einem einheitlichen Rahmen integriert. Ziel ist es, sowohl die gesamte Bevölkerung als auch besonders gefährdete Gruppen zu schützen, um die Krankheitslast und die Zahl vorzeitiger Todesfälle während Hitzeperioden zu senken und Strategien zur Reduzierung hitzebedingter Gesundheitsrisiken sowie Zuständigkeiten und Kommunikationswege beteiligten Akteure festlegt und verbessert. Die Handlungsfähigkeit der Stadt Braunschweig bei akuten Hitzeereignissen soll weiter gestärkt werden. Akutmaßnahmen sollen dazu beitragen, gesundheitliche Belastungen während Hitzeperioden frühzeitig zu erkennen und wirksam zu begrenzen, etwa die Registrierung von Pflegeeinrichtungen beim DWD oder die Bereitstellung von Informationsmaterial durch das Gesundheitsamt. Der Hitzeaktionsplan bündelt diese Ansätze und überführt sie in eine strukturierte Gesamtstrategie.
Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Risikokommunikation im Zusammenhang mit
Hitze. Die Bevölkerung soll für gesundheitliche Risiken durch Hitze sensibilisiert und über geeignete Schutz- und Verhaltensmaßnahmen informiert werden. Hierzu zählen sowohl präventive Informationsangebote als auch eine zielgruppengerechte Kommunikation im Vorfeld und während von Hitzeperioden.
Alle unterschiedlichen Gruppen müssen gezielt angesprochen werden. Hitzeschutzinformationen sollten daher alltagsnah, mehrkanalig und barrierearm vermittelt werden. Für Braunschweig ergibt sich daraus ein Ansatz, der Kommunikation nicht ausschließlich über zentrale digitale Kanäle organisiert, sondern gezielt über bestehende soziale, gesundheitliche und quartiersbezogene Strukturen erweitert. Ein zentrales Element der Braunschweiger Kommunikationsstrategie ist die Einbindung von Multiplikatoren mit direktem Zugang zu vulnerablen Gruppen. Dazu zählen insbesondere Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, soziale Dienste und Beratungsstellen, Schulen und
Kindertagesstätten, quartiersbezogene Netzwerke und Initiativen. Neben der akuten
Risikokommunikation ist die kontinuierliche Sensibilisierung der Bevölkerung zur Selbsthilfe ein wesentlicher Bestandteil des Hitzeschutzes. Ziel ist es, das Bewusstsein für gesundheitliche Risiken langfristig zu stärken und Handlungskompetenzen im Umgang mit Hitze aufzubauen.