Antrag der GRÜNEN Ratsfraktion mit den Ratsgruppen Fraktion BS und BIBS/Robert Glogowski
Eingereicht zur Sitzung des Umwelt- und Grünflächenausschusses am 16. Juni 2026
Beschlussvorschlag:
Bei Veranstaltungen der Stadtverwaltung und Sitzungen innerhalb der Stadtverwaltung oder
politischer Gremien wird nach Möglichkeit klimagemäße Ernährung als Kostform angeboten.
Das gilt sowohl für die Stadt als Gastgeberin als auch für Imbissanbieter*innen, die kleine
Mahlzeiten verkaufen. In Frage kommt in erster Linie die Planetary Health Diet. Falls diese
nicht angeboten werden kann, wäre vollwertige Ernährung nach der 2024 aktualisierten
Empfehlung der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) die passende Alternative.
Sachverhalt:
Landwirtschaft und Ernährung sind wesentliche treibende Faktoren für die
Klimaveränderungen. In Deutschland sind 14 % der Treibhausgasemissionen
durch die Landwirtschaft verursacht (Umweltbundesamt), weltweit werden etwa 30 %
der Treibhausgase durch Produktion und Konsum von Nahrungsmitteln ausgelöst.
Insofern hat dieser Bereich bei allen Maßnahmen gegen den Klimawandel einen hohen
Rang. Einflussmöglichkeiten hat jeder einzelne durch die Zusammenstellung seiner
täglichen Ernährung, aber auch die Stadtgesellschaft als ganze an den Stellen, an denen
sie für das Nahrungsangebot verantwortlich ist. Bei allen Maßnahmen zum Klimaschutz
hat die Stadt selbst Vorbildfunktion (IKSK 2.0, 1.4 S. 72) und sich zum Ziel gesetzt, in
städtischen Einrichtungen regionale Biokost mit dem Schwerpunkt pflanzliche Ernährung
anzubieten (IKSK 2.0, 1.5 S. 76/77).
Die „Planetary Health Diet“ wurde formuliert mit den Zielen, eine Ernährungsform zu
entwickeln, die gesund ist, wenig Klimagasemissionen verursacht bei insgesamt nachhaltiger
Lebensmittelproduktion und realisierbar ist für eine Weltbevölkerung von 10 Mrd. Menschen,
die für 2050 prognostiziert wird 1, 2. Diese Ziele entsprechen den Nachhaltigkeitszielen
der UNO „kein Hunger“, „Gesundheit“, „Klimaschutz“ 3. Die genannte Kostform zeichnet
sich durch Fleischarmut sowie Reichhaltigkeit an Gemüse und Getreideprodukten aus.
Hinsichtlich der Lebensmittelgruppen Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Eier ähneln sich
die Orientierungswerte der DGE und der Planetary Health Diet. Milch und Milchprodukte
sind in der Planetary Health Diet geringer vertreten, Hülsenfrüchte vermehrt 4. Insgesamt
sind die Empfehlungen nicht starr – Anpassungen an regionale Gegebenheiten sind möglich.
Regionale und Fairtrade-Produkte sollten berücksichtigt werden. – Eine Besonderheit der
Planetary Health Diet gegenüber der DGE-Kost wäre, dass die Wahl der ersteren deutlich
macht, dass der Stadt Braunschweig der Zusammenhang zwischen Ernährung und Klima
bewusst ist. Bei städtischen Veranstaltungen könnte auf diese Kost mit einem Flyer hingewiesen und dafür geworben werden.
Die Kost sollte Grundlage bei der Auswahl der liefernden Unternehmen sein.
Laut Aussage der Stadtverwaltung lädt die Stadt jährlich „zu ungefähr 120 Veranstaltungen
ein, bei denen ein Essen bzw. ein Imbiss gereicht wird“. Qualitätskriterien sind bisher nicht
festgeschrieben (Anfrage außerhalb von Sitzungen, Antwort 12.1.2024).
Der Ernährungsrat Braunschweig und Braunschweiger Land (ERBSL) hat unseren
Antrag folgendermaßen kommentiert:
Rat und Verwaltung der Stadt Braunschweig haben als MitinitiatorInnen des BürgerInnen-
Rates ERBSL bereits ein wichtiges Zeichen gesetzt. Wir setzen uns auf vielen Ebenen
für die Ernährungswende auf kommunaler Ebene ein.
Aus unserer Sicht soll die Stadt diese Wende hin zu einer (klima-)gerechten Ernährung
auch in eigener Sache vorantreiben und Vorbild sein.
Eine Verköstigung bei eigenen Veranstaltungen z.B. nach den Prinzipien der Planetary
Health Diet, d.h. unter Berücksichtigung insbesondere des CarbonFootprint einzelner
Lebensmittel und der Vermeidung ungesunder Bestandteile bedeutet, dass Zutaten z.B.
vorrangig pflanzlich und regional erzeugt sind. Darüber hinaus werden in Braunschweig
als Fairtrade-Stadt sicher auch fair gehandelte Produkte dabei Bedeutung haben.
Wir freuen uns, wenn die BIBS-Fraktion für diesen Antrag breiten Rückhalt auch in anderen
Fraktionen erhält und unterstützen gern die Diskussion und die Umsetzung mit dem Wissen
des ERBSL.
Der ERBSL-Steuerkreis, Ernährungsrat für Braunschweig und das Braunschweiger Land
Freundliche Grüße
Britta Steven für den ERBSL-Steuerkreis
1 https://www.bzfe.de/essen-und-zukunft/essen-im-wandel/nachhaltiges-essen-fuer-mensch-und-erde#teaser
2 https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/update-fuer-die-planetary-health-diet
3 https://unric.org/de/17ziele/
4 https://ernaehrungs-umschau.de/wp-content/uploads/2026/free_pdfs/EU05_2022_M252_M268.pdf