Zur Insolvenz der Hofbrauhaus Wolters GmbH erklären Leonore Köhler und Lisa-Marie Jalyschko, Fraktionsvorsitzende der Grünen Ratsfraktion Braunschweig:
„Die Insolvenz der Hofbrauhaus Wolters GmbH ist ein schwerer Schlag für Braunschweig. Wolters ist nicht irgendein Unternehmen, sondern Teil der Identität unserer Stadt. Die Brauerei steht für Braunschweiger Geschichte, regionale Verbundenheit und ein Stück Heimat. Umso bitterer ist es, dass ein solches Traditionsunternehmen nun in die Insolvenz gehen muss.
Gleichzeitig muss diese Insolvenz nicht der Untergang von Wolters sein. Die Eigenverwaltung kann eine Chance sein, das Unternehmen neu aufzustellen. Dafür braucht es aber ein glaubwürdiges Sanierungskonzept, klare Verantwortung und einen echten Fokus auf das Kerngeschäft.
Die BRAWO GROUP muss sich dabei kritische Fragen gefallen lassen. Wer eine traditionsreiche Brauerei übernimmt, übernimmt Verantwortung für Beschäftigte, Standort und Stadtgesellschaft. In den vergangenen Jahren entstand jedoch der Eindruck, dass der Konzern seine Aufmerksamkeit vor allem auf Beteiligungen, Immobilien- und Entwicklungsprojekte gerichtet hat, während Wolters als Brauerei nicht die Priorität bekam, die nötig gewesen wäre.
Wenn rund um das Brauereigelände große Pläne verfolgt werden, während die Brauerei selbst unter Druck gerät, passt das nicht zusammen. Es wirft Fragen nach den Prioritäten und der Verantwortung der Eigentümerin auf.
Die Verantwortung für die aktuelle Lage liegt deshalb zuerst bei Eigentümerseite und Geschäftsführung. Die BRAWO GROUP darf Wolters jetzt nicht behandeln wie eine beliebige Position in einem Beteiligungsportfolio. Sie muss zeigen, dass ihr an dieser Brauerei, den Beschäftigten und dem Standort Braunschweig wirklich gelegen ist. Dazu gehören Transparenz, ein belastbarer Sanierungsplan und die Bereitschaft, Verantwortung nicht auf andere abzuwälzen.
Eine aktive Rolle der Stadt kann sinnvoll sein, wenn es darum geht, Gespräche zu ermöglichen, Informationen zusammenzuführen und Beschäftigte sowie Betriebsrat zu unterstützen. Aber die Stadt Braunschweig ist nicht der Reparaturbetrieb für Fehlentscheidungen privater Unternehmensgruppen. Kommunalpolitik kann moderieren, begleiten und Rahmenbedingungen schaffen. Sie kann aber nicht mit Steuergeld Risiken ausgleichen, die in einem breit aufgestellten Konzern entstanden sind.
Deshalb sehen wir auch die Forderungen der CDU mit erheblicher Verwunderung. Ausgerechnet die Partei, die sonst bei jeder Gelegenheit den freien Markt beschwört, staatliche Eingriffe kritisiert und öffentliche Ausgaben für soziale Infrastruktur, Klimaschutz oder Daseinsvorsorge ablehnt, ruft nun nach kommunaler Aktivität für ein privates Unternehmen. Das ist politisch bemerkenswert inkonsequent. Wer den Markt predigt, muss auch sagen, wer im Markt Verantwortung trägt. Und das sind in diesem Fall nicht zuerst die Steuerzahler*innen, sondern Eigentümerin und Unternehmensführung.
Ob es wirklich einen formalen ‚Runden Tisch Wolters‘ braucht, ist aus unserer Sicht fraglich. Die Stadt kann und sollte als Vermittlerin auftreten, Gespräche ermöglichen und relevante Akteur*innen zusammenbringen — insbesondere Geschäftsführung, Eigentümerseite, Sachwalter, Betriebsrat, Banken und Stadtverwaltung. Wenn man das am Ende ‚Runder Tisch‘ nennen möchte, ist das in Ordnung. Entscheidend ist aber: Ein Arbeitskreis ist kein Allheilmittel. Er darf nicht zur Bühne für politische Symbolpolitik werden oder Erwartungen wecken, die die Stadt am Ende nicht erfüllen kann.
Für Wolters gibt es weiterhin Perspektiven. Die Lage der Brauereibranche ist zweifellos schwierig: veränderter Konsum, steigende Kosten und ein rückläufiger Biermarkt setzen viele Betriebe unter Druck. Aber daraus folgt nicht, dass die Insolvenz einer Traditionsbrauerei zwangsläufig oder allein dem Markt geschuldet ist. Andere regionale und traditionsreiche Brauereien zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist.
Das kann mit einem klaren Fokus auf das Kerngeschäft, starker regionaler Verankerung, einer glaubwürdigen Marke und der Weiterentwicklung des Sortiments gelingen. Gerade alkoholfreie Produkte, nachhaltige Produktion, kurze Lieferwege, regionale Wertschöpfung und neue Getränkeangebote können wichtige Bausteine einer zukunftsfähigen Strategie sein. Entscheidend ist, dass die Eigentümer diese Entwicklung konsequent verfolgen und Wolters nicht nur als Teil eines Beteiligungsportfolios betrachten.
Unsere Solidarität gilt den Beschäftigten, die über Jahre mit ihrer Arbeit dafür gesorgt haben, dass Wolters ein fester Teil Braunschweigs geblieben ist. Sie tragen keine Verantwortung für die aktuelle Situation und dürfen jetzt nicht die Leidtragenden unternehmerischer Fehlentscheidungen werden.
Wolters gehört zu Braunschweig und hat aus unserer Sicht weiterhin eine Zukunft. Jetzt sind die Eigentümer gefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Wer eine traditionsreiche Brauerei besitzt, kann sich nicht auf schwierige Marktbedingungen herausreden. Die Beschäftigten haben ihren Teil geleistet. Nun muss die BRAWO GROUP beweisen, dass sie bereit ist, ihren zu leisten.“