Zustand der Straßenbäume in Braunschweig

Anfrage der GRÜNEN Ratsfraktion

Eingereicht zur Sitzung des Umwelt- und Grünflächenausschusses am 29. August 2024.

In der Stellungnahme 24-23711-01 zu einer Anfrage der Grünen Ratsfraktion mit dem Titel „Baumbilanz für Braunschweig – Verlust und Ersatz- bzw. Neupflanzungen von Bäumen im Stadtgebiet“ (DS 24-23711) informierte die Verwaltung über die Anzahl der Bäume, die in den letzten Jahren gefällt wurden, und die Nachpflanzungen im selben Zeitraum. Das Fazit lautete, dass 993 verloren gegangene Bäume nicht ersetzt werden konnten. Die erforderlichen Finanzmittel für einen kompletten Ersatz dieser Bäume bezifferte die Verwaltung mit 1,9 Mio. EURO.

Am 12.02.2024 informierte die Verwaltung mit einer Pressemitteilung darüber, dass in der Eichtalstraße acht Robinien gefällt werden müssen. Zu den Gründen heißt es dort: „Ursache ist unter anderem der für diese Großbäume viel zu kleine Wurzelraum der Baumscheiben.“

Wenn man sich im Stadtgebiet umschaut, bekommt man den Eindruck, dass es sich bei der Eichtalstraße nicht um einen Einzelfall handeln kann. Etliche durchaus auch ältere Straßenbäume machen keinen besonders vitalen Eindruck. Die Gründe dafür liegen mit Sicherheit nicht immer bei den Baumscheiben. Auch die Umweltbedingungen, wie z.B. die Dürresommer der jüngeren Vergangenheit, führen zu Stress und begünstigen Krankheiten bis hin zum Absterben der Bäume.

Hierzu fragen wir die Verwaltung:

1. Teilt die Verwaltung die Einschätzung, dass in den kommenden Jahren etliche weitere Straßenbäume abgängig sind?

2. Gibt es aus Sicht der Verwaltung Bezirke oder Quartiere, die dabei besonders im Fokus stehen?

3. Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Verwaltung geeignet, um gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können?


Stellungnahme der Verwaltung

Zu 1: Teilt die Verwaltung die Einschätzung, dass in den kommenden Jahren etliche weitere Straßenbäume abgängig sind?

Eine konkrete Prognose hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Bestandsbäume ist der Verwaltung nicht möglich.

Allerdings sind diejenigen Parameter, die erfahrungsgemäß zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der städtischen Bäume beitragen zukünftig weiterhin wirksam.

Dies sind neben den negativen Veränderungen des Stadtklimas durch länger anhaltende Trockenzeiten, Hitzeperioden, Überstauungen von Wurzelbereichen durch Starkregenereignisse, Sturmwetterlagen weitere anthropogene Einwirkungen.

Neben den wetterphysikalischen Phänomenen und anthropogenen Eingriffen spielen zudem Baumkrankheiten und –Schädlinge eine nicht zu unterschätzende Rolle. So hat die stadtweite Verbreitung des Birnbaumprachtkäfer in Braunschweig zu einem Absterben fast aller Rotdorn- und Apfeldornbestände geführt, die noch vor 15 Jahren in Stadtquartieren wie dem östlichen Ringgebiet oder dem Siegfriedviertel prägend waren. Eichenprozessionsspinner, Kastanienminiermotte, Eschentriebsterben, Rindenrußkrankheit und das Rosskastanienbluten sind weitere Beispiele für biogene Einwirkungen auf den Baumbestand.

Ein zusätzlicher Faktor, dessen Ursprung in der Vergangenheit zu suchen ist, besteht durch die Schwächung der Widerstandskraft vieler Bäume aufgrund der zahlreichen viel zu kleinen Baumscheiben, wie sie noch vor ca.  20 Jahren dem damaligen Stand der Technik entsprachen. Erst im Jahr 2004 wurde die FLL-Richtlinie zur Planung, Ausführung und Pflege von Baumpflanzungen erstmalig aufgelegt. Sie beinhaltet unter anderem die Empfehlung, dass Pflanzgruben für Bäume im städtischen Bereich ein Mindestvolumen von 12 m³ haben sollen.

Diese Anforderungen gehen weit über die oft weniger als 2-4 m³ Wurzelraumvolumen der alten Bestandsbaumscheiben hinaus und können i.d.R. nur im Rahmen von Komplettsanierungen der Straße (inklusive Fahrbahn, Geh-/Radwege, Stellplätze, Beleuchtung, Beschilderung, Gosse, Leitungen, Feuerwehrbelange) realisiert werden.

Zu 2: Gibt es aus Sicht der Verwaltung Bezirke oder Quartiere, die dabei besonders im Fokus stehen?

Nein, die Wirkung der zuvor beschriebenen Einwirkungen auf den Baumbestand ist heute –bis auf wenige Pflanzenkrankheiten – stadtweit zu beobachten. Einen groben Überblick über die aktuelle Situation bietet die nachstehende Tabelle, welche den Vitalitätsstatus der erfassten Stadtbäume darstellt. Hierbei ist zu beachten, dass die Erfassung der Vitalität nur über die Blattmasse bzw. Trieblängenzuwächse erfolgt und andere Parameter außer Acht lässt.

Vitalitätsstatus (nach Roloff),Stand 23.08.2024Anteil erfasster Stadtbäume [%]
1 – ohne oder kaum Schadmerkmale, 0-10%33,5
2 – schwach geschädigt, 11-25%47,3
3 – mittelstark geschädigt, 26-60%16,0
4 – stark geschädigt, >60%2,0
5 – abgestorben1,3
Summe (1-5)100,0

Zu 3: Welche Maßnahmen sind aus Sicht der Verwaltung geeignet, um gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können?

Der Schlüssel zu einem gesunden Altbaumbestand liegt in der Optimierung der Baumstandorte sowie deren Versorgung mit Luft, Nährstoffen und Wasser.

Es gibt leider für viele Pflanzenkrankheiten oder Baumschädlinge keine unmittelbaren Lösungsansätze außer den Versuchen, die Widerstandskraft der Bestandsbäume zu erhöhen. Sei es durch operative Baumpflege, Düngung, Einsatz von Trichoderma-Pilzen oder Entsiegelungen etc.