Kultur

Kolonialdenkmal: Gewinnerentwurf wird umgesetzt

Redebeitrag von Helge Böttcher bei der Ratssitzung am 27. Juni 2023:

„Sehr geehrte Frau Vorsitzende,
Meine Damen und Herren,

In meiner Funktion als Vorsitzender des Kulturausschusses möchte ich an dieser Stelle zunächst ein paar allgemeine Worte zum Umgang mit Kolonialdenkmälern sagen:

Wir haben seit vielen Jahren eine zu Recht breite und kritische gesellschaftliche Debatte zum Kolonialismus. Die Kulturhistorikerin Britta Schilling von der Universität Utrecht hat dazu einmal gesagt „Der Deutsche Kolonialismus wurde weitergegeben wie ein seltsames Erbstück, bei dem viele nicht wissen, ob sie es ausstellen oder heimlich in den Müll werfen sollen“.

Ausstellen oder in den Müll werfen. Diese zwei Optionen nennt sie. Und ich denke, die letzte Option ist der falsche Weg. Wir können nicht ein Denkmal entfernen oder eine Straße einfach umbenennen und dann denken, dass der Prozess der Dekolonisierung abgeschlossen ist.

Auch die Initiative „Berlin Postkolonial“ fordert, Kolonialdenkmäler nicht einfach abzureißen, sondern zu hinterfragen. Sie schlägt vor, in Zusammenarbeit mit Künstler:innen aus den ehemaligen Kolonien die Wirkung der Denkmäler zu brechen, Gegendenkmäler zu erstellen oder sie zu verfremden. Die Kolonialgeschichte soll nicht aus dem öffentlichen Raum getilgt, sondern sie soll kritisch hinterfragt werden.

Meine Damen und Herren, ein Denkmal muss kritisiert werden dürfen.

Und daher freue ich mich, dass wir einen Entwurf haben, der mit der Künstlerin Patricia Kaersenhout entwickelt wurde. Einer in den Niederlanden geborenen Künstlerin, Aktivistin und Frauenrechtlerin mit afrikanischen Wurzeln, die mit ihren Projekten besonders junge People of Colour stärkt.

Dieser Entwurf ermöglicht es, uns kritisch mit der Kolonialzeit auseinanderzusetzen, mit dem sich vielleicht auch Schulklassen beschäftigen, um diesen dunklen Abschnitt der deutschen Geschichte aufzuarbeiten und nicht in Vergessenheit kommen zu lassen.

Und dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken, bei Frau Prof. Dr. Hesse, der Kulturverwaltung, der Künstlerin Frau Kaersenhout und auch bei den Künstler:innen der anderen Entwürfe, die nicht ausgewählt wurden, die aber alle auch sehr vielfältig und kritisch waren.

Vielen Dank!“