Nachhaltigkeit & Kultur

Kolonialdenkmal: Gedenken und Nachhaltigkeit zusammen denken

Redebeitrag von Rochus Jonas zur Ratssitzung am 27. Juni 2023:

„Liebe Ratsmitglieder,

die Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte ist absolut notwendig, gerade auch, um die gesellschaftlichen Prozesse zu verstehen, die uns in unserer heutigen Zeit global beschäftigen. Als Vorsitzender des Umwelt- und Grünflächenausschusses möchte ich hier aber einmal den Blick auf Kunst am Bau und die damit verbundenen Signale für ein nachhaltiges ökologisches Handeln lenken.

Vorweg: Im Umwelt- und Grünflächenausschusses habe ich dieser Vorlage zunächst zugestimmt, weil in der Diskussion suggeriert wurde, dass weitere Ausführungs-Planunterlagen bis zur finalen Abstimmung vorliegen, in denen die exakte Einordung des Kunstwerkes in die Umgebung der Parklandschaft möglich ist.

Die hier vorliegenden Ausführungsplanungen reichen mir persönlich leider noch nicht aus, um die gesamten Auswirkungen auf den umliegenden Grünbestand real einordnen zu können. Niemand würde ein Gartenbauunternehmen mit der Umgestaltung seines Gartens beauftragen, wenn keine exakte Ausführungsplanung mit Maßangaben vorliegt.

Mir ist aber folgende Frage viel wichtiger:

Welche Signale senden wir in die Bevölkerung, wenn wir in eine Parkanlage ein Kunstobjekt einbringen, das dazu dient, die Fehler aus der Vergangenheit sichtbar und erfahrbar zu machen, hierbei aber die Anforderungen an Nachhaltigkeit offensichtlich nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Wir fordern immer und überall weniger zu versiegeln und dass weniger Beton und graue Energie zum Einsatz kommen. Wir fordern von den Menschen keine Schottergärten anzulegen und ihre Gärten zu entsiegeln.

Daher sollte unter heutigen Nachhaltigkeitsansprüchen ein Kunstwerk in einer Parkanlage auch so kreativ ausgeführt sein, dass die eigentliche Aussage sichtbar wird, hierbei jedoch Flächen und natürliche Ressourcen umfänglich geschont werden, oder die Kunstschaffenden so kreativ sind, dass für zukünftige Generationen neben der gesellschaftlichen Kernaussage auch ein Mehrgewinn an Nachhaltigkeit und Ökologie entsteht, so dass wir uns in ein paar Jahrzehnten nicht wieder fragen müssen, warum wir unsere damaligen Ansprüche und bekannte Konzepte an / für nachhaltiges Handeln nicht auch in unseren Kunstwerken berücksichtigt haben.

Also, eine Kunst zu schaffen, die anregt, über gesellschaftliche Zusammenhänge nachzudenken und dabei gleichzeitig etwas schafft, was auch für zukünftige Generationen unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit Bestand hat. Wäre das nicht das richtige Signal für eine kreative Lösung in diesem speziellen Umfeld gewesen?

Da ich diesen Ansatz nicht erkenne, werde ich mich heute bei der Abstimmung enthalten und hoffe, dass wir zukünftig unsere Bewertungskriterien zur Nachhaltigkeit auch bei Kunst und insbesondere bei Kunst am Bau einfließen lassen.

Vielen Dank!“