
Das Projekt, im ehemaligen Karstadt-Gebäude ein Haus der Musik zu errichten, kann eine echte Chance für unsere Innenstadt und Kultur sein. Aber für ein klares Bekenntnis zum Haus der Musik als Gesamtkonzept mit einem Konzertsaal für ca. tausend Besucher*innen fehlen uns weiterhin entscheidende Fakten. In den aktuellen Beratungen hat für uns die höchste Priorität, dass die Musikschule zeitnah eine verlässliche Zukunftsperspektive bekommt.
Besonders kritisch bewerten wir die jüngsten Anpassungen am Entwurf. So sind wir enttäuscht von der Überarbeitung des Siegerentwurfs. Der ursprünglich versprochene ‚Dritte Ort‘ wurde auf eine Touristinfo und ein Café zusammengeschrumpft. Das entspricht nicht unseren Vorstellungen eines solchen Ortes, an dem sich eigentlich Menschen zwanglos und ohne Geld ausgeben zu müssen treffen und austauschen können sollen.
Dabei ist es richtig, das alte Karstadt-Gebäude nicht abzureißen, sondern es umzubauen und neu zu nutzen. Das ist gerade unter den Aspekten Nachhaltigkeit und Klimaschutz der richtige Weg. Dafür braucht es allerdings ein schlüssiges Konzept.
Bau- und Folgekosten sind nach wie vor unklar
Die Grüne Ratsfraktion hält die durch die Verwaltung geschaffene Informationslage zu den finanziellen Aspekten weiterhin für unzureichend. Es gibt keine belastbare Kostenaufstellung, keine Zahlen zu Betriebs- und Folgekosten und keine geklärte Perspektive für die zukünftige Auslastung des Konzertsaals. Insbesondere die Frage, wie die jährlichen Betriebskosten für den Konzertsaal zukünftig getragen werden können, ist uns völlig unklar. Wir gehen hier jährlich von mehreren Millionen zusätzlicher finanzieller Belastung für die Stadt aus. Auch die veranschlagten 120 Millionen Euro für Musikschule, Konzertsaal und Dritten Ort werfen bei uns Fragen auf. In der aktuellen Haushaltslage können wir kein Projekt unterstützen, dessen wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht nachgewiesen ist.
Die Grüne Ratsfraktion erwartet daher, dass die Verwaltung im Ausschuss für Kultur und Wissenschaft vollständige wirtschaftliche, bauliche und konzeptionelle Grundlagen vorlegt und entsprechende Nachfragen beantworten kann.
Wir stehen zur Musikschule, zur Belebung der Innenstadt und zu nachhaltiger Bestandserneuerung. Zustimmen können wir dem Haus der Musik aber nur auf Basis belastbarer Fakten, nicht auf Grundlage offener Fragen und erheblicher Zweifel. Deshalb werden wir in den Gremien auch gezielt nachhaken und die Informationen, die uns bislang von der Verwaltung vorgelegt wurden, kritisch hinterfragen.