Anfrage der GRÜNEN Ratsfraktion
Die schwierige Situation am Dowesee war bereits mehrfach Gegenstand von Anfragen im Umwelt- und Grünflächenausschuss (UGA) sowie von Stellungnahmen der Verwaltung. Insbesondere die Mitteilung 22-20181 hat den Sachstand ausführlich dargelegt.
Dabei wurde festgestellt, dass die kritischen Faktoren für die Nährstoffbelastung des Sees die Phosphat- und Stickstofffrachten sind, die das Wachstum von Biomasse (Bakterien, Algen, Wasserlinsen etc.) erheblich fördern.
Unter anderem wurde von der TU Braunschweig ein Monitoring durchgeführt, das gezeigt hat, dass
– die Zuflüsse, insbesondere der westliche (lt. SE|BS nicht mehr aktiv), sauerstoffarmes und nährstoffreiches Wasser eintragen und die Situation verschärfen.
– die Gesamt-Phosphor- (P) und Gesamt-Stickstoff- (N) Gehalte der Zuflüsse im Jahresverlauf deutlich höher sind als die des Wasserkörpers im Dowesee.
– ab Juni die Gesamt-P-Gehalte des Sees sogar die der Zuflüsse übersteigen, was auf interne Prozesse wie die Rücklösung von Phosphor aus dem Sediment hindeutet.
In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass Phosphat durch Belüftung nicht direkt aus dem Gewässer entfernt wird, sondern lediglich die Rücklösung aus dem Sediment verringert werden kann. Anders verhält es sich bei Stickstoffverbindungen: Unter günstigen Bedingungen kann durch die Denitrifikation Stickstoff in gasförmiger Form entweichen und so tatsächlich aus dem Gewässer entfernt werden.
In der Mitteilung 22-20181 hat die Verwaltung folgende Maßnahmeempfehlungen und offene Fragen aufgelistet:
Maßnahmeempfehlungen:
– Verbesserung der Wasserspeisung des Sees zur Erhöhung des Wasserspiegels durch Anpassung des Startpegels der Pumpen der Hebeanlage.
– Fortsetzung der Wasserlinsenmahd und wechselnder Schnitt des Schilfgürtels zur Reduzierung des Biomasse-Eintrags.
– Fortführung der Oberflächenbesprudelung zur Reduzierung der Wasserlinsenausbreitung.
– Unterbindung der vorhandenen Zuflüsse, da diese sauerstoffarmes und nährstoffreiches Wasser eintragen.
Offene Fragen:
– Prüfung des westlichen Zuflusses.
– Untersuchung eines möglichen Rückstaus im östlichen Zufluss, der zu Nährstofffehleinträgen geführt haben könnte.
– Verlagerung der Messstandorte.
– Prüfung, ob der Regenwasserzufluss aus der Schuntersiedlung für die Speisung des Dowesees relevant ist.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um einen aktuellen Sachstandsbericht mit besonderem Fokus auf folgende Fragen:
1. Wie ist der Umsetzungsstand der Maßnahmeempfehlungen im Einzelnen?
2. Welche Ergebnisse und weiterführenden Handlungsempfehlungen resultieren aus der Klärung der offenen Fragen?
3. Welche weiteren Schritte, neben der direkten Entnahme von Biomassenvolumen und der Belüftung des Sees, plant die Verwaltung in nächster Zeit, um die Phosphat- und Stickstofffrachten langfristig zu reduzieren und so den Dowesee in einen langfristig stabileren ökologischen Zustand zu überführen, ohne immer wieder technisch aufwendig eingreifen zu müssen?
Wir bitten um eine ausführliche Beantwortung dieser Fragen.
Stellungnahme der Verwaltung
Die Verwaltung nimmt wie folgt Stellung:
Zu 1: Von den empfohlenen Maßnahmen konnten bereits einige umgesetzt werden. So konnte das Wasserregime des Dowesees verbessert und im Zuge dessen der Wasserspiegel angehoben werden (Vergrößerung des Wasservolumens). Hierfür wurde der Startpegel für die Pumpen der Hebeanlage angepasst. Des Weiteren sind die begleitenden Pflegemaßnahmen zur Reduzierung der organischen Einträge und zum Nährstoffentzug (Wasserlinsenmahd, wechselnder Schnitt des Schilfgürtels) dauerhaft in die Arbeitsplanung des Fachbereichs Stadtgrün aufgenommen worden. Inwieweit die Besprudelung des Oberflächenwassers zur Reduzierung der Wasserlinsenausbreitung beibehalten wird, soll im Kontext mit der Durchführung des Förderprojektes „Stillgewässersanierung mit einer minimalinvasiven Methode als Pilotprojekt“ entschieden werden.
Der Vorschlag, bestehende Zuflüsse mit sauerstoffarmem und nährstoffreichem Wasser zu unterbinden, konnte hingegen bisher nicht umgesetzt werden. Für das betroffene Einzugsgebiet, aus dem die Zuflüsse stammen, gibt es nach Einschätzung der SE BS derzeit keine alternative Entwässerungsmöglichkeit. Dieser Vorschlag soll im Zuge der Umsetzung des vorstehend erwähnten Förderprojektes noch einmal vertiefend geprüft werden.
Zu 2: Aufgrund des bevorstehenden Starts des betreffenden Förderprojektes im April/Mai 2025 wurde die Klärung der offenen Fragen zurückgestellt.
Zu 3: In den nächsten drei Jahren soll der Handlungsschwerpunkt auf der Teichbodenbelüftung mit einem entsprechenden begleitenden Monitoring gelegt werden, um eine weiteren Verbesserung der Stillgewässerökologie zu erreichen. Hierbei sollen durch die gezielte Einbringung von feinen Luftbläschen am Gewässergrund eine gleichmäßige Sauerstoffversorgung des Teichsediments erreicht und damit anaerobe Abbauprozesse verhindert und ein verstärkter Mineralisierungsprozess des organischen Anteils des Teichsediments innitiiert werden.
Mit diesem minimalinvasiven Verfahren soll im Rahmen des Pilotprojektes getestet werden, ob diese Form der Gewässersanierung eine Alternative zur aufwändigen und kostenträchtigen mechanischen Entschlammung darstellt. Diese Fragestellung ist insbesondere in Gewässern wie dem Dowesee nicht unerheblich, da aufgrund der enormen Schlammstärken und des Kampfmittelverdachts eine konventionelle Entschlammung nur schwer umzusetzen und zu finanzieren wäre. Außerdem stellt das Ausbaggern oder Absaugen des Schlamms zunächst einmal einen enormen Eingriff in das Gewässerökosystem dar.
Im Rahmen des Pilotprojektes sollen darüber hinaus weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte geprüft werden.